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Entstehung des Betriebes Rumsch und Hammer

Bereits im Jahre 1890 erschien der Name Rumsch bereits wieder im Register der Forster Betriebe. Mit Hilfe eines Geldmannes namens Wock hatte Rumsch einen neuen Betrieb in der Amtstraße ins Leben gerufen.

Diese Firma Rumsch und Hammer wurde als Maschinenfabrik gegründet, die Textilmaschinen herstellte. Der Bau von Textilmaschinen dauerte jedoch nur sieben Jahre. 1897 wurden durch die Überschwemmung fast sämtliche Modelle der Textilmaschinen vernichtet.

Mit diesem Zeitpunkt wurde zum Bau von Wäschereimaschinen übergegangen. Die damals produzierten Waschmaschinen wurden größtenteils aus den USA eingeführt. Die ersten Maschinen der Firma Rumsch und Hammer wurden nach amerikanischem Muster gebaut. Diese Modelle hatten jedoch einen großen Umfang und eigneten sich nur für Waschanstalten und Krankenhäuser. Ihr Absatz war begrenzt und die Konkurrenz aus den USA sehr groß, was den Profitinteressen des sich entwickelnden Kapitalisten Rumsch im Wege stand. Deshalb wurde alle Kraft daran gesetzt, solche Waschmaschinen zu entwickeln, mit denen man den Markt bestimmen konnte. Durch Forster Ingenieure wurden kleine Waschmaschinen entwickelt, die auf Ausstellungen in Brüssel und London erfolgreich gezeigt und in größeren Mengen abgesetzt werden konnten. Diese Maschinen wurden durch Patente geschützt und waren anfangs konkurrenzlos, wodurch ihr Export in viele Länder der Welt möglich wurde. Geschicklichkeit und Fleiß der Forster Schlosser und die Findigkeit der Ingenieure bildeten die Grundlage für hohe Gewinne der Betriebsbesitzer. Die Firma erlebte einen größeren Geschäftsaufschwung. Ab 1907 wurden neben Wäschereimaschinen auch Bügelpressen, Muldenpressen, Zentrifugen und ganze Wäschereieinrichtungen produziert.

Die Anzahl der Werktätigen des Betriebes betrug zu dieser Zeit 300. Damit wurde er ein Forster Großbetrieb. Die Arbeitszeit betrug 58 Stunden pro Woche und der Lohn eines gelernten Schlossers waren 29 Pfennig pro Stunde. Für ungelernte Kräfte und Hilfsarbeiter wurde bedeutend weniger bezahlt. Das entsprach einem Wochenverdienst von 15,- bis 17,— Mark. Ein Vergleich zu anderen Gewerken macht deutlich, daß die Arbeiter bei der Firma Rumsch und Hammer zu den schlechtbezahlten gehörten.

Stundenlöhne Forster Arbeiter [Pfennige]
Schlosser bei Rumsch und Hammer 29
Zimmerer 32
Maurer 35
Maler 38
Kupferschmiede bei Lufft 60



Die Firma Rumsch und Hammer bildete auch Lehrlinge aus, die 5,- bis 7,- Mark die Woche erhielten und nach der Arbeitszeit noch dreimal wöchentlich abends von 18.30 bis 20.30 Uhr die Fortbildungsschule besuchten. Hier wurde jedoch weniger Wert auf eine technische Ausbildung als auf die Erziehung zu gefügigen Untertanen des kapitalistischen Systems gelegt. Die Auslastung der Arbeitszeit der Arbeiter wurde durch ein Markensystem beim Pförtner genau kontrolliert. Wer nur eine Minute zu spät kam wurde dadurch bestraft, daß er erst nach dem Frühstück mit der Arbeit beginnen durfte. Soziale Leistungen durch den Betrieb wie Urlaub, Kantinenessen, Duschräume usw. gab es damals nicht. Die schlechte Lage der Werktätigen erhöhte ihre Kampfbereitschaft. Sie fand ihren Ausdruck darin, daß in Forst in den Jahren von 1900 bis 1905 20 Streikaktionen unterschiedlichen Ausmaßes zu verzeichnen waren. An diesen Aktionen waren auch die Arbeiter der Firma Rumsch und Hammer beteiligt.
Durch einen Streik erreichten sie, daß gemaßregelte Kollegen wieder eingestellt wurden. Zur Verhinderung solcher Aktivitäten wurde durch die Firma extra ein Ingenieur eingestellt, der die Aufgabe hatte, die Arbeitsintensität der Arbeiter zu überwachen und nach Möglichkeit jede gewerkschaftliche Propaganda unterbinden sollte. Der Vorabend des ersten Weltkrieges 1914 sah den Betrieb Rumsch und Hammer als eine blühende kapitalistische Firma, deren Besitzer durch bedingungslose Ausbeutung hohe Profite erlangten.


Letzte Aktualisierung: 28.04.2025, 23:39:36












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