Auferstanden aus Ruinen
Die Stadt Forst wurde im Rahmen der „Berliner Operation" der Sowjetarmee, die am 16. April 1945 begann, am 18. April durch die Truppen der 1. Ukrainischen Front befreit. Die Bevölkerung hatte schwer unter dem Erbe des deutschen Faschismus zu leiden. Unbeschreibliches Chaos herrschte in der Stadt. Es gab keine Lebensmittel, keine Rohstoffe und Fertigwaren, da zuvor alles ein Opfer der Fiammen geworden oder abtransportiert worden war. Der Zerstörungsgrad der Gebäude war 38 Prozent Totalschaden und zu etwa 50 Prozent teilbeschädigt. Zerstörte Fabriken, vernichtete Wohnhäuser, verschüttete Straßen, schwelende Balken, Schutt und Asche gaben der Stadt das Gepräge.Die Bahnverbindungen zu anderen Orten waren unterbrochen. Die einst blühende Stadt der Tuchindustrie schien tot. Wie sah es zu dieser Zeit in unseren Vorgängerbetrieben aus?
Der Hauptbetrieb der Firma Rumsch und Hammer in der Amtstraße war total zerstört. Heute befinden sich an dieser Stelle Wohnblocks der AWG-Friedensgrenze und Garagenbauten. Der Betriebsteil Weststraße 9 mit der Gießerei war nur teilweise zerstört. Die Gebäude der Firma Schmidt Gubener Straße war bis auf ein Gebäude (heute Lehrwerkstatt) total zerstört. Da der letzte Nazi-Stadtkommandant zwangsweise die vollständige Evakuierung der Bevölkerung durchgeführt hatte, war die Stadt bis auf vereinzelte Menschen, die sich in den Kellern versteckt hatten, völlig entvölkert. Erst in den nachfolgenden Wochen und Monaten kam ein Teil der ehemaligen Einwohner zurück. Aber sehr viele fehlten, zum Teil waren sie gefallen, befanden sich in Kriegsgefangenschaft oder auf der Flucht. Der damalige sowjetische Stadtkommandant Toropoff orientierte die Bevölkerung darauf, daß die zerstörten Versorgungseinrichtungen (vor allem Wasser und Strom) wieder in Gang gebracht werden und wo möglich mit den Wiederaufbauarbeiten in den Betrieben begonnen wird, um wieder Lebens- und Existenzmöglichkeiten zu schaffen. Zu dieser Zeit fanden sich im Betriebsteil der damaligen Weststraße einige Kollegen zusammen, die als Aktivisten der ersten Stunde mit dem Aufbauwerk begannen. Zunächst wurden noch brauchbare Maschinen und verwendbares Material aus Ruinen geborgen und in noch nutzbaren Räumen begann eine primitive Produktion. Bis 1946 waren es zwölf Kollegen. Stellvertretend seien hier genannt:
Koll. Briesemann, der auch zunächst die Leitung übernommen hatte
Koll. Birk, Peter,
Koll. Dubian,
Koll. Feindt,
Koll. Hauswald,
Koll. Höhne,
Koll. Schubert,
Koll. Zinnow,
Eine Lohnzahlung gab es zu Beginn dieses Wiederaufbaus nicht. Als Entgeld gab es täglich einen Liter Suppe. Die ersten Waren, die gefertigt wurden, waren eine bedarfsgerechte Fertigung wie Kochtöpfe, Bratpfannen, Schusterhämmer, Dreifüße, Kanalisationsdeckel, Ofenroste, Roststäbe für Lokomotiven, Dachziegelunterlagen, Alutöpfe, Straßenabflußkästen.
Der meiste Aufwand mußte jedoch für Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten zur Beseitigung der Kriegsschäden betrieben werden.
Das benötigte Material und die Maschinen wurden fast ausschließlich aus Trümmern geborgen. Auch Kriegsgerät, wie abgestürzte Flugzeuge wurden dazu ausgeschlachtet. Erforderliches Holz für die Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden mußte selbst im Wald mit Genehmigung des zuständigen Försters geschlagen werden. Der Transport und auch die Sägearbeiten mußten die Kollegen selbst bewältigen. Mit dem Handwagen wurde das benötigte Tafelglas aus dem Glaswerk Döbern geholt.
Im zerstörten Werk in der Amtstraße geborgene, noch brauchbare Maschinen wurden unter den schwierigsten Bedingungen mit Rollen und Brechstangen in die Weststraße transportiert.
Die Aktivisten der ersten Stunde vollbrachten hier wahre Heldenleistungen und schufen die Voraussetzungen dafür, daß sich die Tore des Betriebes wieder öffneten und eine neue Entwicklung begann. Daran konnten auch die 1946 zurückgekehrten Gebrüder Rumsch nichts ändern, obwohl sie ihre Besitzrechte geltend machten.
Ihre Macht war erschüttert und wurde endgültig zerschlagen durch die Enteignung am 17. April 1948.
Damit erfolgte die Geburt des Volkseigenen Betriebes „VEB Forster Eisengießerei und Maschinenfabrik".
Letzte Aktualisierung:
28.04.2025, 23:39:36
