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Formatec: Mitarbeiter besetzen Betrieb

Vier Monate Lohnrückstände / Hoffnung heißt Konkurs / Betriebsrat: „Keine Aussicht auf Besserung der Lage“

FORST. Vier Jahre haben sie mit Lohnrückständen gelebt, wurden immer wieder vertrö­stet, nie sei von der Geschäfts­führung Wort gehalten wor­den. Nun reicht es den Mitar­beitern des Förster Wäscherei­maschinenherstellers Formatec: Sie haben gestern ihren Be­trieb besetzt.



Betriebsrat Günter Niewiadomski hatte gestern eine schon fast sarkastische Minute: Zum vieljährigen Jubiläum der Lohn­rückstände im Unternehmen habe man sich zur Betriebsbe­setzung entschlossen. Doch dann wurde er, genauso wie Betriebsratschef Detlef Krüger ganz sachlich: Wieder habe man vier Monate Lohnrückstand, wieder seien Zusagen der Ge­schäftsführung nicht eingehalten worden. Das Vertrauen in den geschäftsführenden Gesellschaf­ter Harald Müller sei völlig weg. Die Hoffnung liege für die Belegschaft nun im Konkursan­trag, den Müller stellen solle. Das Unternehmen sei eindeutig überschuldet, zudem sei Müller zahlungsunfähig. Wenn Müller den Wünschen der Mitarbeiter nachkommt und den Weg zum Amtsgericht antritt, dann hat das für die Beschäftigten einen großen Vor­teil: Sie bekommen für drei Monate ihr Gehalt in Form von Konkursausfallgeld. „Wir glauben nicht mehr an eine Zukunft des Unterneh­mens“, meinte Betriebsratschef Krüger. Vor vier Jahren die ersten Lohnrückstände, die bis heute nicht aufgeholt sind, ein erster Konsolidierungskredit des Landes, weitere Lohnrückstän­de, Versprechungen, ein zweiter Konsolidierungskredit des Lan­des von rund 4,5 Millionen Mark, doch nichts habe sich geändert. Das Geld sei weg, die vielen wechselnden Rechtsbera­ter des Geschäftsführers hätten nur kassiert und seien verschwunden, wenn die Kasse leer war. Aus dem groß angekündig­ten Rußland-Auftrag seien im ersten Teil gerade einmal 1,5 Millionen Mark vor Ort geblie­ben. „Hauptsächlich haben wir Maschinen umetikettiert, die andere gebaut haben“, berichtet Günter Niewiadomski. Diese anderen, so hieß es gestern, warten auch noch auf Millionen­beträge von Geschäftsführer Harald Müller. Noch sind 58 Mitarbeiter im Werk, zwanzig weniger als zu Beginn des langsamen Sterbens des Unternehmens vor 18 Mo­naten. „Unser Geschäftsführer setzt darauf, dass die Mitarbeiter von sich aus kündigen“, meint Betriebsratschef Krüger, dann könne das Unternehmen Abfin­dungen sparen. Da würden aber nicht viele mitmachen. So ist nun auch die Härtefallregelung ausgelaufen, mit der die Mitar­beiter auf einen Teil ihres Tariflohnes verzichteten. „Wes­halb sollen wir auch auf Lohn­teile verzichte, die wir sowieso nicht ausgezahlt bekommen“, fragte Betriebsratschef Krüger gestern. Vor wenigen Tagen noch hatte die Belegschaft dem Geschäftsführer ein Angebot gemacht: Den rückständigen Fe­bruar-Lohn bezahlen und die Einnahmen aus einer gerade in Produktion befindlichen Anlage an die Belegschaft abtreten, dann würde man weiter mitmachen. Ergebnis der Forderung: Nichts passierte. So hat man nun das Werk besetzt, will weiter besetzen, bis irgend etwas pas­siert. Und dieses irgend etwas kann aus Belegschafts-Sicht nur Konkurs heißen. Dann wären die Schulden weg, ein neuer Investor könnte Auftragsbücher und qualifiziertes Personal übernehmen und einen Neuan­fang starten. Auf „leere Ver­sprechungen“ des Geschäftsfüh­rers wollen sie auf jeden Fall nicht mehr warten.












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